NFDI4Culture Music Award

NFDI4Culture Music Award: Jury präsentiert Shortlist

historische Blasinstrumente, Pokale, Handschuhe, Münze

Musikinstrumente, Pokale, Handschuhe und Münze zum Pfeifengericht

"historische Blasinstrumente, Pokale, Handschuhe, Münze", © s. Bildarchiv Foto Marburg, Autor:in: unknown, Besitzer:in: Historisches Museum Frankfurt am Main https://www.bildindex.de/document/obj20242833?medium=fmc204814

Die Shortlist des NFDI4Culture Music-Award 2022 steht fest!

Eine Jury bestehend aus Vertreter:innen von NFDI4Culture, der Gesellschaft für Musikforschung (GfM), des Deutschen Musikrats und des Zentrum Musik – Edition – Medien (ZenMEM), hat aus allen eingegangenen Einreichungen die besten Projekte für die Publikation auf einer Shortlist ausgewählt. Auf Basis der Shortlist erfolgt im Anschluss die Auswahl der zwei besten Einreichungen, die mit dem Award prämiert werden.

Der NFDI4Culture Music Award wird von der musikwissenschaftlichen Community in NFDI4Culture vergeben und soll musikbezogene oder musikwissenschaftliche Projekte und Unternehmungen auszeichnen, die in besonderer Weise zu den Zielen in den Aufgabenbereichen des Konsortiums beitragen. Das erste Mal wird er 2022 vergeben.

Die Awards werden feierlich im Rahmen des NFDI4Culture Plenary 2023 (29. - 31. März 2023)  in der Akademie der Wissenschaften und der Literatur | Mainz überreicht.

Kategorie 1 - Qualifikations-Award (Shortlist, alphabetische Reihung nach Name der Autor:innen)

Eingereicht werden konnten Qualifikationsarbeiten aus allen musikbezogenen Fachgebieten, die in den Jahren 2021/22 abgeschlossen wurden.

Frauke Reglind Pirk (Johannes Gutenberg-Universität Mainz): „Konzeption und prototypische Entwicklung eines oXygen-basierten Frameworks zur Edition osmanischer Liedtexte. Unterstützt durch ein Leitfadeninterview zur Erhebung des Vorwissens der perspektivischen Nutzer*innengruppe“ (Master-Arbeit 2021)

Die Arbeit befasst sich technisch mit der Entwicklung der Möglichkeit, Liedtexte im Standard der Text Encoding Initiative (TEI) in XML zu edieren, während bisher fehleranfällig aus einem spezifischen nicht-standardkonformen Editionsprogramm heraus exportiert und umgewandelt werden musste. Forschungsorganisatorisch geht es in der Arbeit, gestützt durch eine bedarfsorientierte Nutzerbefragung in Leitfadeninterviews, auch darum, wie solche Tools erfolgreich in ursprünglich primär analog arbeitenden Projekten implementiert werden können, um mögliche Hürden zu erkennen und abzubauen.

Lars Schmedeke (Universität Hamburg): „Bass Drop! – Der Bass in der modernen, populären Tanzmusik“ (Promotion 2022)

Der Verfasser geht in seiner Arbeit der Frage nach, wie sich die moderne, populäre Tanzmusik ausgehend vom klingenden Gegenstand in der Breite systematisieren lässt. Dazu zieht er das Kriterium der beschreibbaren perzeptiven ‚Fettheit‘ auf der Basis von Frequenzanalysen heran. Diese Analysen von mehreren Messwerten werden durch Clusterbildung analysierbar und visualisierbar gemacht.

Kategorie 2 – Projekt-Award (Shortlist, alphabetische Reihung nach Name der Autor:innen)

Eingereicht werden konnten Projekte unterschiedlicher Art von Kulturschaffenden und Wissenschaftler:innen aus allen musikbezogenen Fachgebieten.

Ralf Martin Jäger (WWU Münster), Michael Kaiser und Sven Gronemeyer (Max Weber Stiftung Bonn): Interkonsortialer Vernetzungsworkshop „Kritische Musik- und Textedition osmanischer Kunstmusik“

Ziel des vorgeschlagenen Workshops ist es, das Projekt „Corpus Musicae Ottomanicae” (CMO) ins Zentrum einer interkonsortialen Diskussion zwischen NFDI4Culture und Text+ zu stellen, um Synergien und gemeinsame Ziele zu identifizieren und Strategien zu entwickeln. Dazu eignet sich das CMO Projekt in besonderem Maße, das materielles und immaterielles Kulturgut sowie instrumentale und vokale Musik, Lyrik und performative Aspekte umfasst, also einen Querschnitt beider Konsortien repräsentiert.

Lukas Retschmeier (TU München):  Prototyp für eine Benutzeroberfläche für KI-gestützte Takterkennung von Digitalen Musikalien

Das Projekt soll einen im Rahmen eines Masterprojekts entstandenen Prototypen für ein Tool für die automatisierte Vertaktung von Musikhandschriften und -drucken weiterentwickeln und sichtbar machen. Dazu wurde das auf Tensorflow basierende KI-Modell für die Nutzung weiterentwickelt.

Maximilian Rosenthal (HMT Leipzig/SLUB Dresden): Musikverlagsdatenbank

Die im Rahmen des DFG-Projekts „Geschmacksbildung und Verlagsbildung“ entwickelte Musikverlagsdatenbank soll perspektivisch Informationen aus 20.000 Verlags-Geschäftsbüchern über Datum und Höhe der Auflagen, des Absatzes und der Makulatur enthalten. Die Datenbank dient also – auch in ihrer technischen Einrichtung – der Verfügbarmachung und Vernetzung über ein erhebliches Korpus der Musikproduktion des 19. Jahrhunderts und soll mit Mitteln aus dem Award gezielt vorangebracht werden.

Sondervotum der Jury 2022

Leider kann eine für Kategorie 1 eingereichte Arbeit aus formalen Gründen nicht für den Award angenommen werden, da sie bereits 2020 abgeschlossen wurde. Die Jury möchte aber hiermit dennoch diesen wichtigen Beitrag zur Forschung – speziell zu einer digitalen Quellenphilologie – und zu den Zielen von NFDI4Culture ausdrücklich würdigen.

Dr. Anna Plaksin (Johannes Gutenberg-Universität Mainz): „Modelle zur computergestützten Analyse von Überlieferungen der Mensuralmusik. Empirische Textforschung im Kontext phylogenetischer Verfahren“ (Dissertation 2020)

In dieser Arbeit befasst sich die Autorin auf der Grundlage einer intensiven und vielschichtigen Anforderungserhebung mit der Entwicklung automatisierbarer Verfahren für Lesartenvergleiche mensural notierter Vokalpolyphonie um 1500. Ziel ist, Überlieferungsprozesse in diesem bisher nicht in der Breite erschlossenen Repertoire auf der Basis von Analysen formalisierbarer Aspekte der überlieferten Dokumente selbst (also nicht deren abstraktem Gehalt, d.h. dem „Werktext“, sondern gewissermaßen seiner „visuellen“ Gestalt) besser zu verstehen. Die Dissertation zeigt ihren Innovationsgehalt nicht nur in dem konsequenten Versuch, das Modul „mensural music“ der Codierungssprache MEI über die semantische Codierung hinaus um spezifische, die Notation beschreibende Aspekte und Metadaten zu erweitern, sondern auch in ihrem interdisziplinären Ansatz, in dem die Autorin Verfahren zur DNA- und Proteinsequenzierung aus der Bioinformatik auf die Beobachtung von Variantenbildung in der Musik überträgt. Damit illustriert sie in bester Weise die transdisziplinären Ansätze der Digital Humanities und zeigt zugleich künftige kollaborative Perspektiven für die Musik- und Editionswissenschaft auf.