Bericht | 15. Juli 2025

Ein Blick hinter die Kulissen – Ein Bericht über den Iconclass-Workshop in Kooperation mit dem Datenkompetenzzentrum HERMES (zweiteiliger Workshop am 30. Juni und 1. Juli)

Von Katharina Bergmann, M. A. , Alexandra Büttner, M. A. , Angela Kailus, M. A. , Andrea Polywka, M. A. und Etienne Posthumus

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A series of pictures with Iconclass annotations

A series of pictures with Iconclass annotations

Autor:in: Hans Brandhorst, Alexandra Büttner

Im Februar 2025 hat das Datenkompetenzzentrum HERMES eine Veranstaltung durchgeführt, bei der Hans Brandhorst und Etienne Posthumus einen Vortrag hielten, über verschiedene Möglichkeiten zur Erkundung und Nutzung von Iconclass, einem umfassenden Klassifikationssystem für Darstellungsinhalte und Themen von Werken des Kulturerbes (z. B. Bilder, 3D-Modelle). Iconclass wird von zahlreichen Universitäten, Museen und Bibliotheken weltweit verwendet, um digitale Sammlungen inhaltlich zu klassifizieren. Im Anschluss an den erfolgreichen und gut besuchten Vortrag, beschlossen die beiden Referenten und eine der Organisatorinnen, Alexandra Büttner, einen praktischen Workshop zur Nutzung und den technischen Eigenschaften von Iconclass anzubieten. Gemeinsam mit den NFDI4Culture-Kolleg:innen Katharina Bergmann und Andrea Polywka von der Cultural Research Data Academy sowie Angela Kailus von der Task Area Standards, Datenqualität und Kuratierung, wurde der zweiteilige Workshop geplant. Zwei Tage voller interessanter Präsentationen, Anwendungsfälle, praktischer Übungen und Diskussionen brachten internationale Forscher:innen und Interessierte aus verschiedenen Disziplinen zusammen. Mit 49 Teilnehmer:innen am ersten Tag und 36 am zweiten Tag, war der Workshop gut besucht.

Am ersten Tag lag der Schwerpunkt, neben einer allgemeinen Einführung in Iconclass, auf der Klassifizierung von Inhalten. Es begann mit einem ersten Überblick, “Iconclass, An Analogue System in a Digital World”, präsentiert von Hans Brandhorst, dem Herausgeber von Iconclass. Anschließend erläuterte Angela Kailus (NFDI4Culture, Universität Marburg) die Bedeutung von kontrollierten Vokabularen für FAIRe Daten. Auf diese Präsentationen folgte eine Einheit mit praktischen Aufgaben in kleineren Gruppen, in der die Teilnehmer die Möglichkeit hatten, das Klassifizierungssystem an einigen Kunstwerken selbst auszuprobieren. Abgerundet wurde der Tag durch die Präsentation von zwei Projekten, die Iconclass verwenden. Marika Klebusek (Universität Leiden) präsentierte das Projekt „Alba amicorum“, ein internationales Verzeichnis von frühen Freundschafts- oder Autogrammbüchern oder deren Fragmenten in öffentlichen und privaten Sammlungen. Danach präsentierte Veronika Skladká (Czech Academy, Prag) „e-illustrace“, eine Datenbank über frühneuzeitliche tschechische Buchillustrationen. Beide Anwendungsfälle zeigten, wie Iconclass verwendet werden kann, wie es die Forschung unterstützt und in welchen verschiedenen Anwendungsszenarien es eingesetzt werden kann.

Am zweiten Tag wurde sich Iconclass selbst vertiefend gewidmet, es wurden einige der technischen Merkmale untersucht und es wurde ein Blick auf das Backend geworfen. Zunächst gab Hans Brandhorst einen Überblick über die technischen Eigenschaften der Iconclass-Software. Danach stellten Karin von Wartburg und Claudio Felber vom Vitrocentre Romont, dem Schweizerischen Forschungszentrum für Glasmalerei und Glaskunst in Romont, das Konzept der Vitrosearch und die technischen Details der Datenbank vor. Sie betonten die Vorteile der mehrsprachigen Funktionen von Iconclass und erläuterten, wie sie Verbindungen zu Schwesterportalen, wie z.B. dem deutschen Corpus Vitrearum, ermöglichen. Als nächstes präsentierte Drew Thomas, ein Forscher des University College Dublin, der als Überraschungsgast spontan das Programm ergänzte, seine Arbeit. Derzeit forscht er an der Verwendung von künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen, um die visuelle Kommunikation während der protestantischen Reformation zu untersuchen. In seinem Vortrag zeigte er Ansätze, wie man mit ChatGPT qualitativ hochwertige Iconclass-Notationen erzeugen kann, die zur Klassifizierung frühneuzeitlicher Illustrationen, die den Glauben in biblischen Szenen visualisieren, notwendig sind. Etienne Posthumus (Iconclass-Entwickler und Mitarbeiter bei NFDI4Culture, FIZ Karlsruhe) leitete anschließend eine Hands-on-Session mit dem Titel "Enabling Discovery: A Backend Tour" und ermutigte die Teilnehmer:innen, live zu programmieren. Weitere Anwendungsfälle rundeten den zweiten Workshoptag ab: Jan von Bonsdorff und Tobias Plebuch (beide von der Universität Uppsala) gaben Einblicke in eines ihrer Projekte. In ihrem Vortrag, "Charting Visual and Musical Moods and Metaphors: Facilitating Cross-Modal Connections for Machine Learning and Multimodal AI" stellten sie eine musikwissenschaftliche Perspektive zum Thema Filmmusik und die Funktion von Metaphern vor. Dieser abschließende Vortrag verdeutlichte nochmals, dass das Klassifizierungssystem Iconclass nicht nur für Kunsthistoriker:innen und Forschende, die mit visuellen Medien arbeiten, nützlich ist, sondern auch in anderen Disziplinen eingesetzt werden kann und sollte.

Insgesamt erlebten die Teilnehmer ein ausgewogenes Programm mit einer Vielzahl an Themen, die unterschiedliche Herausforderungen, Erfahrungen und Einsichten in Bezug auf die Verwendung und Implementierung von Iconclass zusammenbrachten.

Einzelne Präsentationsfolien stehen hier zum Download bereit: https://cloud.nfdi4culture.de/s/yR7pKm4WoLyor3H