Ankündigung | 24. Mai 2024
Sind das Forschungsdaten oder kann das weg? Forschungsdaten und Digitalstrategien in der Kunstgeschichte. Tagung 05./06. Juli 2024
Von Dr. Maria Effinger
Aktenschrank mit geöffneter Schublade
"Aktenschrank mit geöffneter Schublade"
Veranstalter: Zentralinstitut für Kunstgeschichte München, Deutscher Verband für Kunstgeschichte e.V., Universitätsbibliothek Heidelberg / arthistoricum.net
Forschungsdaten gab und gibt es in der Kunstgeschichte überall: Notizen, Exzerpte, Fotos, Tabellen, Skizzen, Transkriptionen, Textversionen, Rekonstruktionen… Jedes Projekt, jeder publizierte (oder auch nur vorläufige) Text, jeder inventarisierte Sammlungsbestand, jedes Erfassen, Untersuchen und Deuten von Kulturobjekten im weitesten Sinne beruht auf solchen Materialien. Gerade in einer historischen Wissenschaft enthalten diese Potentiale für die weitere Nutzung. Das weitere Schicksal dieser vorbereitenden oder auch ‚Hilfsmaterialien‘ war bislang ganz den einzelnen Forschenden, Projekten oder Institutionen überlassen. Im besten Fall wurden sie in irgendeiner Weise archiviert, im schlechtesten vernichtet.
Das digitale Format bietet nun nicht nur für die Erarbeitung von Forschungsdaten ganz neue Möglichkeiten, sondern fordert auch immer stärker dazu heraus, über deren Nachnutzung und Weiterverwendung nachzudenken. Dies betrifft einzelne Forschende ebenso wie Institutionen oder die kommerzielle Beschäftigung mit Kunst und Kultur. Zu fragen ist dabei nicht nur, was aufgehoben und zur allgemeinen Verfügung gestellt werden kann, soll und darf. Entscheidend ist auch, wie diese Daten aufbereitet, strukturiert und publiziert werden. Klar ist, dass damit nicht nur zentrale Fragen der Ressourcen (Arbeitszeit, Finanzierung, aber etwa auch Speicherplatz usw.) angesprochen sind. In neuer Weise zu überdenken sind Fragen von wissenschaftlicher Kategorisierung, von (geteilter, kollaborativer, fortschreibender) Autorschaft, von Formen des wissenschaftlichen Nachweisens, von bibliographischem Erfassen, usw.
Von Forschungsdaten-Management (FDM, engl. RDM) ist aktuell überall die Rede. Mit der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) hat die Wissenschaftspolitik einen Prozess angeschoben, in dessen Mittelpunkt Forschungsdaten stehen. Allerdings unterscheiden sich die Forschungsdaten der Kunstgeschichte teils mehr, teils weniger von denen anderer Disziplinen. Auch die Erwartungen und Anforderungen von Kunsthistorikerinnen und Kunsthistorikern an für sie relevante Forschungsdaten dürften nicht einfach deckungsgleich mit denen anderer Wissenschaften sein. Die Arbeitstagung adressiert diese zentralen Fragen und will darauf aufbauend einen gemeinsamen Vorschlag für das weitere Vorgehen erarbeiten. Nur so kann sichergestellt werden, dass die für das Fach relevanten Forschungsdaten erkannt und in nachhaltiger Form auch erarbeitet und zur Verfügung gestellt werden können.
Zum Programm der Veranstaltung am 05./06. Juli 2024 am Zentralinstitut für Kunstgeschichte München