Bericht | 14. Oktober 2024
NFDI4Culture auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaft 2024
Von Dr. Alexander Stark und Andrea Polywka, M. A.
schwarzer Cinema & Co. Rollladen
"schwarzer Cinema & Co. Rollladen" CC0 Autor:in: Jon Tyson, Besitzer:in: Jon Tyson
Unter dem Thema "versammeln" lud die Gesellschaft für Medienwissenschaft vom 25.09. bis 28.09.2024 zu ihrer Jahrestagung an die Johannes Gutenberg-Universität Mainz ein. NFDI4Culture beteiligte sich mit gleich zwei Beiträgen an der Veranstaltung: Zum einen stellte Andrea Polywka (Cultural Research Data Academy, CRDA) unser Konsortium im Rahmen des Panels "Heterogene Filmbestände einheitlich verknüpfen | Mehrwerte für filmgetriebene (medien-)wissenschaftliche Forschung schaffen" vor, das durch das DFG-Projekt AV-EFI (Automatisiertes Verbundsystem für audiovisuelle Bestände über einheitliche Filmidentifikatoren) organisiert wurde. Das Panel wurde von Alexander Stark (CRDA) co-moderiert.
Zum anderen veranstaltete das Team der Cultural Research Data Academy gemeinsam mit dem medienwissenschaftlichen Repositorium media/rep/ das Diskussionspanel "Filmdaten sammeln, sichern und nutzen". Matti Stöhr (TIB Hannover), Skadi Loist (Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf), Adriane Meusch (Universität Bayreuth) und Kristina Rose (DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum) gaben kurze Inputs zu verschiedenen Aspekten des Themas:
Skadi Loist stellte im Kontext des Datenkompetenzzentrums QUADRIGA eine Fallstudie zu Veränderungen in studentischen Filmwerken der HFF/Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf in den Jahren 1985–99 vor. Die Herausforderungen hierbei liegen darin, dass es sich um einen historisch gewachsenen Datenbestand an einer Institution handelt, die politischen Umbrüchen unterworfen war und verschiedene Bibliothekssysteme genutzt hat. Diese Umstände erschweren es, einen Überblick über die vorhandenen Daten zu gewinnen und den Bestand für Forschung und Lehre nutzbar zu machen.
Anschließend gewährte Adriane Meusch einen Einblick zu den Arbeitsprozessen des DFG-Projekts "Das Film-Manifest. Geschichte, Ästhetik und Medialität einer aktivistischen Form". Sie berichtete, dass das Projekt ursprünglich ohne expliziten Fokus auf Daten geplant war, und erst im Rahmen der Arbeit klar wurde, dass die beteiligten Forscher:innen viele Daten sammeln. Daraus ergab sich die Schaffung einer eigenen Datenbank, die unter anderem für die inhaltliche Erschließung der Manifeste genutzt wird. Wie in vielen anderen Forschungsprojekten stehen die Beteiligten vor der Frage, was nach dem Ende der Projektlaufzeit mit der Projektdatenbank und den gesammelten Daten geschehen soll.
Einen weiteren Input gab Kristina Rose, die aus der Perspektive als Datenkoordinatorin am DFF von ihrer Arbeitspraxis im Bereich der Datenaggregation berichtete. Vor dem Hintergrund, dass der Abgleich und die Bereinigung von Daten viel Zeit koste, stelle sie sich die Fragen, ob die Daten über die "klassischen" Aggregationsportale am Ende tatsächlich die Forschenden erreichen, die sie nutzen sollen. Einen möglichen Weg, um die Nutzung filmografischer Daten zu erhöhen, böte deren Anreicherung mit Forschungsergebnissen, wobei der Datenprovenienz eine große Rolle zukommen würde.
Im letzten Input gab Matti Stöhr Einblicke in die Struktur des AVefi-Projekts sowie insbesondere in die enge Zusammenarbeit mit den in das Projekt involvierten Filmerbe-Institutionen. Heterogener Filmbestände und unterschiedliche Erschließungspraktiken in den Institutionen erweisen sich dabei als Faktoren, die eine enge Abstimmung bei der Schaffung einheitlicher Filmidentifikatoren als "kleinsten gemeinsamen Nenner" nötig machen.
Die anschließende Diskussion mit den Teilnehmer:innen, die von Malte Hagener (CRDA/Philipps-Universität Marburg) moderiert wurde, fokussierte auf Themen wie maschinelle Schnittstellen, die Zusammenarbeit von Forschungs- und Infrastruktureinrichtungen sowie die unterschiedlichen Ansätze zum Umgang mit Metadatenschemata zugehörigen Manuals in der Praxis. Es wurde deutlich, dass seitens der sehr diversen GLAM-Einrichtungen aber auch Forschungsprojekte unterschiedliche Anforderungen für den Umgang mit Filmdaten sowie mit Identifikatoren im Forschungs- und Arbeitsalltag bestehen, jedoch auch der Wunsch nach handhabbaren Manuals für die Datenerfassung und Metadatenanreicherung besteht. Diskutiert wurde auch, ob die breite Verfügbarkeit von KI-Modellen, die ja auch zur automatischen Datenanreicherung und Metaverdatung genutzt werden können, potentiell ein Game Changer sein könnte.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich die Cultural Research Data Academy und media/rep/ auch zukünftig dafür engagieren wird, neue Perspektiven für künftige Formen der Beteiligung und des Austauschs mit Filmerbe-Institutionen, fachspezifischen Forschungsprojekten sowie den vorhandenen Leistungen des Konsortiums zu entwickeln und umzusetzen. Damit sollen zusätzliche Möglichkeiten für den Zugang zu filmischen Daten und Beständen geschaffen werden. Hierzu soll es unter anderem auch einen engen Austausch mit dem neu geschaffenen FID Media geben.