Show & Tell Bericht | 03. Juni 2025

Workshopbericht: Vortrags- und Diskussionsreihe "Social-Media-Daten: Show & Tell - Rechtsextremismus- und Demokratieforschung (2)" (online)

Von Dr. Vincent Fröhlich

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Low-angle photography of a metal structure

Abstract metal structure

"Low-angle photography of a metal structure" CC0 Autor:in: Alina Grubnyak

Der Arbeitskreis 'Social Media-Daten', eine Initiative von NFDI4Culture gemeinsam mit BERD@NFDI, KonsortSWD und Text+ im Rahmen der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur, veranstaltet seit Anfang 2022 die Vortrags- und Diskussionsreihe "Show & Tell – Social Media-Daten in der Forschungspraxis".

Die Reihe widmet sich in je einer anderthalbstündigen Zoom-Session den Tools im Feld der Social Media-Forschung und beleuchtet Best Practices ausgewählter Projekte. Im Fokus stehen neben pragmatischen Lösungen und technischen Möglichkeiten (Schnittstellen, Repositorien, Metadatenstandards, Interoperabilität) auch ethische und rechtliche Herausforderungen (z.B. Persönlichkeits- und Urheberrechte) im nachhaltigen, sicheren und kritischen Umgang mit diesen Daten (Code and Data Literacy, FAIR & CARE Prinzipien). Nicht zuletzt soll sie dazu einladen, interdisziplinäre Forschungsansätze und Lehrmethoden zu diskutieren, die tradierte wie fachspezifische Rahmen und Werkzeuge strapazieren.

2025 wollen wir uns dezidiert mit dem Umgang mit Social Media Daten in der Rechtsextremismus- und Demokratieforschung beschäftigen.

Die zweite Veranstaltung am 25. April 2025 wurde gestaltet von Prof. Dr. Jasmin Riedl (Universität der Bundeswehr München) sowie Isabel Bezzaoui und Ina Ni (FZI Forschungszentrum Informatik). Beide Beiträge gaben vertiefte Einblicke in die methodischen, ethischen und infrastrukturellen Herausforderungen der datenbasierten Demokratieforschung mit Social Media.

Prof. Dr. Jasmin Riedl: SPARTA – Social Media Analysis for Everyone

Das Projekt SPARTA verfolgt das Ziel, Social Media-Analysen ohne Programmierkenntnisse zu ermöglichen – insbesondere für Forschende, die bislang durch fehlende Expertise in Python, begrenzte Rechenressourcen oder erschwerten Datenzugang ausgeschlossen waren. Im Zentrum steht die Entwicklung eines nutzerfreundlichen Analyse-Labs, das es erlaubt, über sogenannte „No Code“-Ansätze eigene Forschungsvorhaben umzusetzen. Ein Beispiel: Ein Masterstudent analysiert Sprachaggressivität zum Afghanistan-Abzug auf X/Twitter in mehreren Sprachen – ohne selbst Code schreiben zu müssen.
SPARTA verwendet modulare Microservices, z. B. für Visualisierungen, Topic Modeling, multimodale Bild- und Netzwerkanalysen, Stance Detection sowie sprachspezifische Modelle, die eigens trainiert wurden. Ein Highlight ist der Live-Monitoring-Ansatz, der u. a. für Wahlkämpfe, Krisen wie das Ahrtal-Hochwasser oder den Ukrainekrieg genutzt wurde – mit über 500 Millionen analysierten Posts auf Plattformen wie X, TikTok und YouTube.
Der Zugang zu den SPARTA-Daten ist externen Forschenden über eine formale Projektintegration möglich. Diese erhalten einen eigenen Developer-Pod auf dem Analysecluster – ein Schritt zur Demokratisierung datenbasierter Forschung.

Isabel Bezzaoui und Ina Ni: Digitale Demokratie und soziale Medien

Das FZI stellte mit den Projekten SOSEC, DeFaktS und MuDDi gleich drei zentrale Initiativen zur Erforschung digitaler Demokratierisiken vor.
SOSEC – Social Sentiment in Times of Crises erhebt regelmäßig gesellschaftliche Stimmungen mittels Paneldaten (alle zwei Wochen, je 1.500 Befragte in Deutschland und den USA) und kombiniert diese mit Social Media-Daten zu aktuellen Ereignissen. Ziel ist die Früherkennung demokratiesensibler Entwicklungen und potenzieller Kippmomente, etwa durch Analyse der Reaktionen auf politische Ereignisse wie dem Besuch von US-Präsident Biden in Kiew.

DeFaktS fokussiert auf Desinformation: Es werden Inhalte aus verdächtigen Kanälen extrahiert, KI-basierte Klassifikationen durchgeführt und erklärbare Komponenten zur Nachvollziehbarkeit der KI-Entscheidungen entwickelt.

MuDDi arbeitet an multimodalen Deepfake-Detection-Verfahren und verbindet biometrische, bildanalytische und sprachliche Verfahren zur ganzheitlichen Einschätzung.

Allen Projekten gemein ist ein zirkulärer Umgang mit Social Media-Daten: Die Daten dienen nicht nur als Input für Modelltraining, sondern sind zugleich Anwendungsfeld und Testumgebung für die entwickelten Verfahren. Ergänzt werden die Forschungsaktivitäten durch das House of Participation (KIT), das mit Formaten wie Hopcast, Hop Roundtable und der Hop Conference auch eine breitere Öffentlichkeit adressiert.

Diskussion und Ausblick

Die abschließende Diskussion mit der Community fokussierte erneut auf strukturelle Herausforderungen, insbesondere ethische Fragen, rechtliche Unsicherheiten und Infrastrukturbedarfe. Die sieben Leitfragen zur Arbeit mit Social Media-Daten werden in Kürze über die Knowledge Base bereitgestellt.

Die nächste Ausgabe der Reihe findet am Freitag, den 20. Juni 2025, um 14 Uhr statt. Geplant ist ein Beitrag von Prof. Dr. Julia Bee, Dr. Elena Pilipets und Stephen Albrecht (NEOVEX).

Eine Kooperation von

BERD@NFDI – NFDI Consortium for Business, Economic and Related Data

KonsortSWD – Konsortium für die Sozial-, Verhaltens-, Bildungs- und Wirtschaftswissenschaften

NFDI4Culture – Konsortium für Forschungsdaten materieller und immaterieller Kulturgüter

Text+ – Konsortium für text- und sprachbasierte Forschungsdaten

Koordination:

Vincent Fröhlich (vincent.froehlich@staff.uni-marburg.de)

Philippe Genêt (P.Genet@dnb.de)

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