NFDI4Culture Success Story | 25. September 2023
Guter Rat: Der Legal Helpdesk als zentrale Anlaufstelle für Rechtsfragen im Forschungsdatenmanagement
Von Priv.-Doz. Dr. Dr. Grischka Petri und Dr. iur. Oliver Vettermann
Schlagworte
Drawing of a Village Lawyer (1621)
Public Domain Autor:in: Pieter Brueghel the Younger
„Was bedeuten die Änderungen im Urheberrecht für unsere digitalen Sammlungen?“ „Was sollten wir für eine wirksame Einwilligung zur Datenverarbeitung beachten?“ Diese und viele weitere Fragen beantwortet der Legal Helpdesk von NFDI4Culture. Der Bedarf an rechtlicher Beratung im Feld von Forschungsdaten zu materiellen und immateriellen Kulturgütern ist groß, die Fragen vielfältig. FIZ Karlsruhe bietet für Forschende im Rahmen des Konsortiums ein gezieltes Beratungsangebot zu einem breiten Themenspektrum an – von Datenschutz und Urheberrecht bis hin zu ethischen Aspekten im Forschungsdatenmanagement, von der einfachen Verständnisfrage über den Austausch zu Datennutzungsplänen bis zu Projekten, die mit einer Vielzahl unterschiedlicher Daten komplexe rechtliche Rahmenbedingungen berücksichtigen müssen, eine umfangreiche Beratung in Anspruch nehmen. Zusätzlich organisiert der Helpdesk Workshops und Seminare zu aktuellen Themen wie Datenschutz-Tools, Urheberrechten in Open-Access-Publikationen oder speziellen Anforderungen der Zugangssteuerung für digitale wissenschaftliche Archive.
Vor dem Start von NFDI4Culture hatten Forschende nur begrenzten Zugang zu rechtlicher Hilfe bei Forschungsdatenfragen. Justiziarate konzentrierten sich auf Hochschul- und Personalangelegenheiten, während Datenschutzbeauftragte selten über ausreichende Spezialkenntnisse verfügten. Der Legal Helpdesk füllt diese Lücke und ist zu einer zentralen Anlaufstelle für Forschende, insbesondere der Kultur- und Geisteswissenschaften, geworden. Genutzt wird er von unabhängigen Forschenden, Forschungsgruppen, Projekten und GLAM-Institutionen (Galleries, Libraries, Archives, Museums).
Durch die Beratung lassen sich Hindernisse auf dem Weg zur freien wissenschaftlichen Nutzung meist beseitigen. Typische erfolgreiche Beratungsbeispiele der letzten beiden Jahre sind die Festschrift mit Tonbeispielen aus der Musikforschung, das Archiv mit Aufzeichnungen von Podiumsdiskussionen aus der Theaterkultur, die literaturhistorische Datenbank und die kunsthistorische Dissertation.
Die Anfrage des Projektes zur Vernetzung digitaler Kulturdaten in Sachsen (DIKUSA) zeigt beispielhaft die komplexe Rechtslage in Projekten: Der umfangreiche Forschungsgegenstand, zu welchem Interviews, Bilder, Lagepläne von Abbaugebieten gehören, führte zu vielen überlappenden Rechtsfragen und Unsicherheit bei den Forschenden. Durch Workshops, Beratungen und Empfehlungen zur rechtskonformen Einwilligung und Dokumentation des Projekts konnten die besprochenen Themen in den Teilprojekten sofort praktisch umgesetzt werden. Der kollegiale, verständliche Austausch auf Augenhöhe führt so zur rechtssicheren Forschung und einem nachhaltigen Umgang mit den Forschungsdaten selbst.