NFDI4Culture Success Story | 13. November 2023
Kreative Zusammenarbeit öffnet neue Dimensionen in der Forschung: Der Cross-NFDI-Hackathon 2022
Von Dr. des. Katja Sternitzke und Zoe Schubert, M. A.
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Sol Sarratea presents her project "These cover the Sea" at the final.
"Sol Sarratea presents her project "These cover the Sea" (together with John Woitkowitz, not on stage). They programmed a website on which one can split nature images from George Forster's excursions to the South Seas into chromatic layers and reassemble the images. The picture shows a "printer" built by Sarratea himself, who paints the digitally created pictures with brush and paint. The project won in the category "Größte Gestaltungsfreiheit"." CC BY Autor:in: Eran Wolff
An vielen Museen, in Universitätssammlungen und Forschungsbibliotheken schlummern Schätze in Form von Forschungsdaten, die bisher nicht öffentlich zugänglich sind. Diese Forschungsdaten sind mit großer Mühe und Sorgfalt entstanden. Sie wurden erstellt und gepflegt in der Hoffnung, dass sie einen wissenschaftlichen Mehrwert erzeugen.
Doch nicht nur für die eigene, sondern auch im Rahmen nachfolgender Forschungen und für die interessierte Öffentlichkeit sind diese Daten spannend. Es stellt sich die Frage: Wie können sie offen sichtbar und nachnutzbar gemacht werden?
Der erste Cross-NFDI-Hackathon im Herbst 2022, organisiert von der Staatsbibliothek Berlin, hatte zum Ziel, diese verborgenen Schätze zu bergen.
Explizit wurden alle interessierten Datengeber:innen willkommen geheißen, unabhängig davon, ob ihre Forschungsdaten zum Einstieg bereits offen verfügbar waren oder nicht. Durch eine hervorragende Vernetzung der NFDI-Konsortien stand schnell fest: Die Einladung kann und soll über Fächerdisziplinen hinweg erfolgen. Während NFDI4Culture seine geisteswissenschaftlichen Communities einbezog, erweiterte sich das Spektrum durch eine Kooperation mit dem auf die materiellen Hinterlassenschaften der Menschheitsgeschichte fokussierten NFDI4Objects und dem lebenswissenschaftlich orientierten NFDI4Biodiversity.
Medial wurde das Thema 3D in den Mittelpunkt gestellt, was für verschiedene Partner-Institutionen von besonderem Interesse war. So konnten die eingereichten Daten entweder bereits 3D-Modelle enthalten, oder diese auch als kreatives Endprodukt entstehen.
The NFDI4Culture and NFDI4Biodiversity 3D Hackathon gave us insights into the community and raised awareness of our data and the interdisciplinary academy project CVMA.
The 3D hackathon put our historic natural history objects in a new light and greatly expanded the multi-perspectivity on our research-driven collection. Great event!
The hackathon allowed me to network with many colleagues who face similar digital challenges as my institution.
The hackathon and the journey to DH 2023 as the "Best Hack" team inspired me to continue my development in Digital Humanities after graduation.
The NFDI4Culture Hackathon impressively showed me how much potential there can be in the use of digitized cultural assets.
Ein klassischer Hackathon ist eine Veranstaltung, bei der sich Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten treffen, um innerhalb eines Tages oder Wochenendes gemeinsam Software-Anwendungen zu entwickeln. Der Begriff „Hack“ (englisch für „technischer Kniff“) weist darauf hin, dass es darum geht, auf kreative, experimentelle und ungewöhnliche Weise Herausforderungen praktisch zu lösen.
Nur die wenigsten Datengeber:innen hatten zuvor Erfahrungen mit dem Konzept eines Hackathons gemacht. Die Ausgangssituation war daher eine facettenreiche Sammlung von sehr unterschiedlich erschlossenen und angereicherten Forschungsdaten, darunter auch solche, die vorher noch nicht offen verfügbar gewesen waren. In einer Serie von Workshops und Einzelsitzungen wurde an das Konzept Hackathon und das Thema offene Daten herangeführt und individuelle Datensets gemeinsam mit dem NFDI4Culture-Team beleuchtet.
Wo dies gewünscht war, konnte die Hilfe des 4Culture Helpdesks in Anspruch genommen werden, beispielsweise bei Fragen zu Metadaten, Standards oder ethisch-rechtlichen Fragen. Und in Fällen, wo keine eigenen Publikationsplattformen vorhanden waren, wurde der frisch an den Start gegangene Dienst RADAR4Culture bereit gestellt. Das war eine Win-Win-Situation für alle, da der Dienst mit den 3D-Hackathon-Daten gleichzeitig verbessert und weiterentwickelt werden konnte.
27 Kultureinrichtungen, Museen und Universitätssammlungen aus ganz Deutschland und der Schweiz folgten dem Aufruf und stellten, nach teils beindruckenden Sprints, stolz ihre 34 Datensätze unter offenen Lizenzen zur Verfügung.
Beim Kick-off im September 2022 in der Staatsbibliothek Berlin trafen sie dann auch endlich mit Hacker:innen, 3D-Designer:innen und Coder:innen aus verschiedenen Teilen Europas zusammen. Ein enthusiastischer Austausch brachte eine Fülle an Ideen hervor und die ersten Teams bildeten sich.
In den folgenden vier Wochen standen die Hacker-Teams in stetem Austausch mit "ihren" Datengeber:innen und arbeiteten intensiv daran, innovative Anwendungen und Projekte zu entwickeln. Beim Finale im Museum für Naturkunde in Berlin im Oktober 2022 trafen sich alle wieder: Zehn Teams präsentierten den Datengeber:innen und der Öffentlichkeit, was sie mit den eingereichten Datensets kreativ entwickelt hatten: Ein ganzes Kaleidoskop an Projekten, von virtuellen Bergbauerfahrungen bis hin zu 3D-Postkarteneditoren und interaktiven Apps. Die besten, innovativsten, technisch ausgefeiltesten Hacks wurden von einer Jury prämiert, aber auch das Publikum konnte sein Lieblingsprojekt küren.
Das Besondere an diesem Cross-NFDI-Hackathon: Er zelebrierte die Zusammenarbeit nicht nur über Institutionsgrenzen und Communities hinweg, sondern auch über die Grenzen wissenschaftlicher Disziplinen hinaus. Die Projekte mischten kreativ 3D-gescannte Herkuleskäfer, Masken, Münzen, Schlangenköpfe, Büsten, Globen, Porträtaufnahmen und vieles mehr, um daraus neue Anwendungen und Designs zu erschaffen. Die beteiligten Institutionen kamen so zu völlig unerwarteten Kombinationen Ihrer Daten und erhielten spannende neue Blickwinkel. Dazu erreichten sie nicht nur andere Fachwissenschaften, sondern auch die interessierte Öffentlichkeit, und erhielten funktionierende Prototypen zur Nachverwendung in ihren Häusern.
Die Datengeber:innen stellten sich der teils intensiven Überarbeitung der Daten mit hoher Motivation und wurden dafür belohnt, denn drei Dinge lösten sich ein: 1. Die Daten sind nun besser nachnutzbar. 2. Die Daten werden sichtbarer und bekannter. 3. Sie konnten darüber staunen, was alles noch in ihren Daten steckt.
Dieses außerordentliche Event in Berlin wurde mit Unterstützung von NFDI4Biodiversity, NFDI4Objects und der AG3D auf die Beine gestellt und war nur das erste von hoffentlich vielen folgenden.
Alle Details, alle Datensets und alle Projekte finden sich auf der Website: https://creating-new-dimensions.org/ zum Nachschauen.