Bericht

Show & Tell – Social Media-Daten in der Forschungspraxis (Rückblick)

Low-angle photography of a metal structure

Abstract metal structure

"Low-angle photography of a metal structure", © CC0, Autor:in: Alina Grubnyak https://unsplash.com/photos/ZiQkhI7417A

Im Sommersemester lud der Arbeitskreis "Social Media-Daten", der sich Anfang des Jahres auf Inititiative von NFDI4Culture gemeinsam mit KonsortSWD und Text+ im Rahmen der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur gebildet hatte, zu den ersten drei öffentlichen Online-Veranstaltungen der Reihe “Show & Tell – Social Media-Daten in der Forschungspraxis". Sie stieß auf reges Interesse in einer Vielzahl von Communities und wird im Wintersemester mit BERD@NFDI ein weiteres Konsortium in der Runde willkommen heißen.

Die Reihe "Show & Tell – Social Media-Daten in der Forschungspraxis" widmet sich in kurzen Inputs den Tools im Feld der Social Media-Forschung. In je einer guten Zoom-Stunde möchte sie Best Practices und ausgewählte Forschungsprojekte beleuchten. Im Fokus stehen neben pragmatischen Lösungen und technischen Möglichkeiten (Software, Schnittstellen, Repositorien, Metadatenstandards, Interoperabilität...) u.a. die ethischen und rechtlichen Schranken bei der Anlage und Auswertung von Datensets und Korpora (Persönlichkeits- und Urheberrechte) sowie der nachhaltige, sichere und kritische Umgang damit (Code and Data Literacy, FAIR & CARE). Nicht zuletzt wollen wir dazu einladen, interdisziplinäre Forschungsansätze und Lehrmethoden zu diskutieren, die tradierte wie fachspezifische Rahmen und Werkzeuge strapazieren. Die ersten Talks fanden am 13. Mai zum Thema "Twitter Tools", am 10. Juni zu  "Sprachkorpora" und am 1. Juli unter dem Titel “Immer Ärger mit den Bildern” statt.

Den Auftakt machten Carolin Gerlitz (Digital Media and Methods, Universität Siegen) und Johannes Breuer (GESIS, Köln / CAIS, Bochum) mit dem Thema "Twitter Tools: Daten sammeln, aufbereiten & analysieren" am 13. Mai. Im Zentrum standen Software und Schnittstellen zur Erhebung und Analyse von Datensets. So führten die Referent:innen anhand von Beispielen in ihre Arbeit mit Twitter Capture und TCAT sowie Jupyter-Notebooks, Git und die Auswertung von Twitterdaten mit R ein. An die beiden Kurzvorträge schloss sich eine rege Diskussion der Teilnehmer:innen an, in der weitere Projekte und Plattformen zur Sprache kamen.

Weiter ging es am 10. Juni mit einem Panel zu “Social Media-Sprachkorpora”. Sarah Steinsiek (Universität Duisburg-Essen) stellte in Ihrer Präsentation "Ein Korpus zur Sprache in der WhatsApp-Kommunikation – die Mobile Communication Database (MoCoDa2)" Erhebungs- und Analysemöglichkeiten vor. Dabei wurden nicht nur die technischen Schnittstellen und Metadatenschemata beleuchtet, sondern insbesondere auch auf Persönlichkeitsrechte bei Datenspenden eingegangen (Einverständniserklärung, Pseudonymisierung…). Harald Lüngen (IDS – Mannheim) zeichnete die Entwicklung und Analyse von "Social Media-Korpora in DeReKo" insbesondere an Wikipedia- und Twitter-Sample-Korpora nach. Rechliche Schranken für die Aufnahme von internetbasierter Kommunikation in den deutschen Referenzkorpus waren hier ebenso Gegenstand wie Korpusvergleichstools.

Den Abschluss im Sommersemester bildeten drei Vorträge am 1. Juli unter dem Titel “Immer Ärger mit den Bildern” mit einem Fokus auf den Umgang mit multimodalen Daten. Sven Stollfuß (Universität Leipzig) berichtete in seinem Beitrag “Social TV und Forschungsdaten" von den institutionellen und produktionskulturellen Kontexten sowie Plattformstrukturen und gab Einblick in sein Forschungsprojekt bis in Untersuchungssystematiken, Tabellen und Codierungen hinein. Verena Straub (TU Dresden) stellte in ihrem Kurzvortrag "Bildproteste in den Sozialen Medien - Methodische Herausforderungen für die Analyse von Bildnetzwerken" ihr aktuelles Teilprojekt “Memes als politische Bildpraxis” und einige eingesetzte Tools vor. Dabei explizierte sie methodische Problemlagen beim Sammeln und Clustern, bei der plattformübergreifenen Vergleichbarkeit als auch der bildwissenschaftlichen Analyse. Margarete Pratschke (HU Berlin) zeigte in ihrem Vortrag "Aufruhr. Über Herausforderungen der Forschung zu digitalen Bildprozessen und politischen Bildereignissen auf Social Media" Ansatzpunkte zur Analyse von Bildkulturen auf. Im Verlauf betonte und hinterfragte sie forensiche Praktiken in formanalytischer und medienkulturwissenschaftlicher Perspektive.

Alle Vorträge waren von einer pragmatischen wie kritischen Auseinandersetzung mit Benutzeroberflächen und plattformabhängigen Text-Bild-Verhältnissen begleitet. Im Wintersemester wird es unter anderem mit Beiträgen zu Google und Reddit weitergehen.

 

PROGRAMM der Vortrags- und Diskussionsreihe: "Show & Tell – Social Media-Daten in der Forschungspraxis" im Sommersemester (ausgerichtet von NFDI4Culture, KonsortSWD und Text+ im Rahmen der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur)

13. Mai 14:00: "Twitter Tools" (I)

10. Juni 14:00: "Social Media-Sprachkorpora" (II)

1. Juli 14:00: "Immer Ärger mit den Bildern" (III)

Die Reihe wird im Wintersemester von NFDI4Culture, KonsortSWD, Text+ und BERD@NFDI fortgesetzt.

Koordination: christoph.eggersgluess (at) uni-marburg.de